• John W. Boyer

Österreich 1867‒1955

Aus dem Englischen übersetzt von Otmar Binder

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John W. Boyer
ist Professor für Geschichte an der Universität von Chicago

"Österreich, 1867–1955" verbindet die politische Geschichte Wiens und der deutschsprachigen Länder des Habsburgerreiches von vor 1914 mit der Geschichte der Republik Österreich seit 1918. Es zeichnet das moderne Österreich als ein faszinierendes Beispiel demokratischer Staatsbildung. Der Aufbau der österreichischen politischen Nation begann 1867 unter Habsburgs Ägide, als die Liberalen dem von ihnen definierten politischen Volk eine Verfassung und eine parlamentarische Ordnung zum Schutz seiner Rechte gaben. In den folgenden Jahrzehnten konsolidierten sich die Institutionen des liberalen Staates, aber in den 1880ern und 1890ern wuchs die Mitgliedschaft des Volks durch die Aufnahme neuer Schichten des Mittelstandes und der Arbeiterklasse sprunghaft an, was sich an der Gründung der zwei großen Parteien, der Christlichsozialen und der Sozialdemokraten, in den 1890ern ablesen lässt. Der Krieg von 1914–1918 brachte das Reich zum Einsturz, wobei die Krone sich angesichts der militärischen Niederlage, innerer Unruhen und nationaler Parteinahme selbst zerstörte. Die Krise beschleunigte allerdings die Herausbildung der demokratischen Selbstregierung in den deutschsprachigen Ländern Österreichs, die ihren Ausdruck in der republikanischen Verfassung von 1920 fand. Das Versagen der demokratischen Nationenbildung in den 1920ern und 1930ern gipfelte 1938 in der Besetzung des Landes durch die Nazis. Nach 1945 sammelten sich die Erben der Revolution von 1918 unter der Schirmherrschaft der vier Besatzungsmächte und gestalteten gemeinsam ein von intensiver ideologischer Parteilichkeit geprägtes politisches System. Das Ergebnis, das sich in den 1960ern einstellte, war eine gut funktionierende, republikanische politische Kultur, in der sich Katholiken und Sozialisten auf die Notwendigkeit verständigt hatten, die Regierung des Staates zu teilen.

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
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Österreich 1867‒1955


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  • John W. Boyer

Österreich 1867‒1955

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    "Österreich, 1867–1955" verbindet die politische Geschichte Wiens und der deutschsprachigen Länder des Habsburgerreiches von vor 1914 mit der Geschichte der Republik Österreich seit 1918. Es zeichnet das moderne Österreich als ein faszinierendes Beispiel demokratischer Staatsbildung. Der Aufbau der österreichischen politischen Nation begann 1867 unter Habsburgs Ägide, als die Liberalen dem von ihnen definierten politischen Volk eine Verfassung und eine parlamentarische Ordnung zum Schutz seiner Rechte gaben. In den folgenden Jahrzehnten konsolidierten sich die Institutionen des liberalen Staates, aber in den 1880ern und 1890ern wuchs die Mitgliedschaft des Volks durch die Aufnahme neuer Schichten des Mittelstandes und der Arbeiterklasse sprunghaft an, was sich an der Gründung der zwei großen Parteien, der Christlichsozialen und der Sozialdemokraten, in den 1890ern ablesen lässt. Der Krieg von 1914–1918 brachte das Reich zum Einsturz, wobei die Krone sich angesichts der militärischen Niederlage, innerer Unruhen und nationaler Parteinahme selbst zerstörte. Die Krise beschleunigte allerdings die Herausbildung der demokratischen Selbstregierung in den deutschsprachigen Ländern Österreichs, die ihren Ausdruck in der republikanischen Verfassung von 1920 fand. Das Versagen der demokratischen Nationenbildung in den 1920ern und 1930ern gipfelte 1938 in der Besetzung des Landes durch die Nazis. Nach 1945 sammelten sich die Erben der Revolution von 1918 unter der Schirmherrschaft der vier Besatzungsmächte und gestalteten gemeinsam ein von intensiver ideologischer Parteilichkeit geprägtes politisches System. Das Ergebnis, das sich in den 1960ern einstellte, war eine gut funktionierende, republikanische politische Kultur, in der sich Katholiken und Sozialisten auf die Notwendigkeit verständigt hatten, die Regierung des Staates zu teilen.

    Authors

    John W.  Boyer

    ist Professor für Geschichte an der Universität von Chicago

    Details

    Release date:

    2025

    ISBN Print Edition

    978-3-7001-9600-6

    ISBN Online Edition

    978-3-7001-9601-3

    DOI

    10.1553/978OEAW96006

    Pages:

    XXII+1205 Seiten

    Dimension:

    24x17cm, broschiert