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Geographische Namen als Ausdruck menschlicher Raumbindung

    Peter Jordan

Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft Band 154/2012, pp. 67-88, 2013/01/30

154. Jg. (Jahresband), Wien 2012

doi: 10.1553/moegg154s67

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doi:10.1553/moegg154



doi:10.1553/moegg154s67


Abstract

Es wird nach einer Antwort auf die Frage gesucht, warum geographische Nameneine so starke symbolische Wirkung ausüben und so wichtig für die Bildung raumbezogenerIdentitäten sind, dass sie Anlass zu politischen Konflikten geben können wiezum Beispiel die zweisprachigen Namen in Kärnten, Makedonien als Staatennameoder der Doppelname Japanisches Meer/Ostmeer.Dazu wird zunächst die grundlegende Rolle der örtlichen menschlichen Gemeinschaftim Vorgang des Benennens hervorgehoben. Die Beziehung zwischen Gemeinschaft undgeographischem Objekt wird als das wesentliche und entscheidende Kriterium für dieUnterscheidung zwischen Endonym und Exonym angesehen. Diese Unterscheidungnämlich reflektiere den Unterschied zwischen dem, was eine Gemeinschaft für „dasIhre“ und „das der Anderen“ halte. Endonyme wären in diesem Sinn Namen, die eineörtliche Gemeinschaft für geographische Objekte verwendet, die ihr gehören oder fürdie sie sich verantwortlich fühlt. Exonyme wären dagegen Namen, die eine Gemeinschaftvon anderen übernimmt und für Objekte auf deren Territorium anwendet. Siereflektierten das Beziehungsgeflecht einer Gemeinschaft über deren Grenzen hinweg.Da die Unterscheidung zwischen „Eigenem“ und „dem der Anderen“ auch schondas Individuum betrifft und natürlich auch Familien, Ortsgemeinschaften und Gemeinden– sich also nicht auf Gemeinschaften verschiedener Sprache beschränkt – könne esauch innerhalb einer Sprache unterschiedliche „Namen von innen“ (Endonyme) und„Namen von außen“ (Exonyme) geben. Definitionen des Endonyms und des Exonyms,welche die Sprache zum unterscheidenden Merkmal machen, träfen daher nicht dasWesen dieser beiden Begriffe.Mit diesen Definitionen erfolgt somit auch eine theoretische Begründung dieserUnterscheidung aus kulturgeographischer Sicht.Schließlich werden noch vier wichtige Rollen geographischer Namen als Mittlerzwischen Mensch und Raum beleuchtet, nämlich (1) das Betonen räumlicher Merkmale,die für eine Gemeinschaft wichtig sind, (2) das Markieren und (3) Strukturieren desTerritoriums einer Gemeinschaft und (4) das Unterstützen emotionaler Bindungenzwischen Mensch und Raum und die dadurch bewirkte raumbezogene Identitätsbildung.