Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft Band 154/2012, pp. 89-106, 2013/01/30
154. Jg. (Jahresband), Wien 2012
Auch in Bildungsfragen sind dynamische Veränderungsprozesse erkennbar, nur dasSegment Topographie bleibt in seinen grundsätzlichen Ansprüchen im Rahmen desGeographie- und Wirtschaftskunde-Unterrichts seit Jahrzehnten unverändert. Dabeiorientiert sich das Lernziel räumlicher Orientierungskompetenz in der aktuellen Unterrichtspraxisgar nicht so sehr an der Topographie als vielmehr an Toponymen. Dervorliegende Beitrag zeigt, dass bei einer einseitigen Reduktion von geographischenLernprozessen auf die Reproduktion von geographischen Namen die vielfältigen Möglichkeitenguten Unterricht im Problemzusammenhang mit Topographie zu machen,nicht ausreichend wahrgenommen werden. Im Sinne politischer Bildung ist davonauszugehen, dass die Vergabe von geographischen Namen eine Entscheidung ist, diemachtvollen Einflüssen unterliegt und daher im schulischen Unterricht kritisch hinterfragtwerden sollte. Am Beispiel eines Projektes, das in Klagenfurt am Wörtherseedurchgeführt wurde, wird aufgezeigt, wie deutlich Namen bestehende Herrschaftsstrukturenwiderspiegeln und wie sehr sie trotzdem zu akzeptierten Begleitern unseresAlltags geworden sind.