Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft Band 154/2012, pp. 129-154, 2013/01/30
154. Jg. (Jahresband), Wien 2012
Die Etablierung von europäischen transnationalen Makro-Kooperationsräumen,die weit über die funktional verbundene Grenzregion im herkömmlichen Verständnishinausgehen, ist ein noch junges Phänomen, welches sowohl auf dem Bedeutungsverlustnationalstaatlicher Grenzen durch globalisierungsbedingte Entwicklungen und demfortschreitenden europäischen Integrationsprozess beruht als auch auf der verstärktenterritorialen Zusammenarbeit zwischen Wirtschafts- und Metropolenräumen, wie sieden europäischen Raumentwicklungsstrategien entspricht. Am Beispiel der zwei mitteleuropäischen,im Kontext der EU-Erweiterung entstandenen KooperationsräumeCentrope und Oder-Partnerschaft/Partnerstwo Odra wird im vorliegenden Beitraggezeigt, dass damit ein neues Verständnis von Raum und Region einhergeht: Anders alsbei funktional und kulturräumlich verbundenen, jedoch durch Staatsgrenzen getrenntenRegionen (wofür auf der Makro-Ebene die Großregion Saar-Lor-Lux ein Beispiel ist),für die kooperative Netzwerkstrukturen eingerichtet werden, werden hier Räume durchNetzwerke geschaffen. Die Merkmale dieser Räume beruhen nicht auf territorialerAusdehnung und der Anzahl und Leistung der in diesem Territorium beheimatetenBewohner, Wirtschaftssubjekte, Institutionen und Gebietskörperschaften, sondernauf den ins Netzwerk integrierten sozialen Akteuren, den zwischen ihnen bestehendenBeziehungen und dem so zur Verfügung stehenden Sozialkapital. Die Grenzen dieserNetzwerk-Räume haben in der Folge keine klassische Kontrollfunktion, sondern dienender Erzeugung dieses Sozialkapitals, indem sie durch eine Begrenzung der theoretischmöglichen unendlich großen Anzahl von Kontakten die Basis für das Entstehen vonVertrauen zwischen ausgesuchten Partnern bilden. So werden neue Konturen künftigerraumwissenschaftlicher Analyse erkennbar.