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Ludwig Salvator (1847-1915)
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![]() Viktor J. BRUCKMAN lehrt an der Universität für Bodenkultur Wien und ist Mitarbeiter an der ÖAW |
Erzherzog Ludwig Salvator zählt zu den wenigen Persönlichkeiten, deren Wirken für die Wissenschaft selbst nach einem Jahrhundert noch immer aktuell ist. Angesichts der Bedeutung des Mittelmeerraumes als kulturelles Erbe in einer sich rasant wandelnden Welt sind seine Arbeiten heute relevanter denn je. In diesen stehen stets der Mensch und seine vielfältigen Beziehungen zur Umwelt im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Umweltschutz und die nachhaltige Ressourcennutzung eine zentrale Komponente für die langfristige Existenz der Menschheit ist und nicht selten Konflikte ihren eigentlichen Ursprung in dem Verlust von Ökosystemdienstleistungen haben. Eine Lösung dieser Probleme erfordert ein in hohem Maße vernetztes Denken, eine Zusammenschau von technischen, ökologischen und sozioökonomischen Disziplinen, um so zu neuen, innovativen und vielversprechenden Lösungsansätzen zu gelangen. Dazu braucht es Mut und kreative Vordenker, wie es Ludwig Salvator war. Er legte besonderen Wert auf das kulturelle Erbe des Mittelmeerraumes, wo er beispielsweise Märchen aus Mallorca sammelte oder sich mit glagolitischen Inschriften beschäftigte. Gleichzeitig dokumentierte er akribisch in Zeichnungen und umfangreichen Texten die Flora und Fauna, beschrieb die Geologie, aber auch Landwirtschaft und das Gewerbe, was sein Interesse an den Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Gesellschaft demonstriert. Sein strukturierter Zugang zeigt sich insbesondere in der Entwicklung eines umfassenden demografisch-geografischen Fragenkataloges, der „Tabulae Ludovicianae“. Er befragte damit Vertreter der lokalen Bevölkerung und legte die Ergebnisse gemeinsam mit seinen eigenen Beobachtungen systematisch in seinen Werken dar. Dieser Tagungsband soll Salvators umsichtige und für seine Zeit innovative Vordenkerrolle belegen, die selbst heute noch zu faszinieren vermag, und bietet einen Überblick über sein Leben und seine Vermächtnisse.
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Ludwig Salvator, pp. 64-107, 2018/10/11
Dokumentation der Vorträge des Kerner-von-Marilaun-Symposiums anlässlich seines 100. Todesjahres
Das wissenschaftliche Vermächtnis des österreichischen Erzherzogs aus dem regierenden Haus Habsburg-Lothringen besteht aus rund 50 Werken vorwiegend aus der Mittelmeerregion. Die Grundlage für diese mehr als 40 Jahre andauernden Arbeiten bildeten intensive Feldforschungen, einschließlich Zeichnungen und Aquarellen. Hierzu wurde von ihm ein Fragenkompendium bestehend aus 100 Doppelseiten entwickelt, die „Tabulae Ludovicianae“. Damit hat er Maßstäbe für die moderne geografische Landeskunde gesetzt. Mit seiner natur- und gesellschaftsphilosophischen sowie landschaftsökologischen Sichtweise war er seiner Zeit weit voraus. Heutzutage ist die Erhebung, Auswertung, Zusammenfassung und Veröffentlichung der gesammelten Geoinformationen durch die moderne geografische Informationstechnologie sowie Kommunikationstechniken wesentlich leichter. Hingegen ist die vergleichbare interdisziplinäre Datenerhebung durch die völlig anderen politischen und sozioökonomischen Verhältnisse im Mittelmeerraum wesentlich schwieriger. Ein Forschungsschiff und ein Forschungszentrum der Europäischen Union in dieser Region werden angeregt. Die vorliegenden Ausführungen erheben keinen Anspruch auf einen umfassenden Überblick zur wissenschaftshistorischen Entwicklung der geografischen Landeskunde und der geografischen Informationstechnologie. Sie zeigen aber, wie ein wissenschaftlicher Außenseiter mit einem hohen persönlichen Einsatz großartige Feldforschung konzipiert, durchgeführt und dokumentiert hat. Sein bisher wissenschaftlich wenig bekanntes und noch weniger anerkanntes Lebenswerk wird aus fachlicher Sicht gewürdigt.