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SprachkunstBeiträge zur Literaturwissenschaft
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Mit "Sprachkunst" ist der zentrale Gegenstand benannt, um den es in den literaturwissenschaftlichen Beiträgen der Zeitschrift geht. Eine Tradition der Philologie hat sich auf verschiedene Formen künstlerischer Sprachverwendung und auf poetologische Themen konzentriert. Das heutige Selbstverständnis der Zeitschrift geht davon aus, dass sich diese Tradition auf produktive Weise mit aktuellen Paradigmen moderner Literaturwissenschaft verbinden lässt, um textorientiert den kritischen Eigensinn von Literaturen zu analysieren. Die seit 1970 halbjährlich erscheinende Zeitschrift der Österreichischen Akademie der Wissenschaften setzt sich vor allem mit deutschsprachigen und europäischen Literaturen auseinander, Beiträge können auf Deutsch, Englisch und Französisch publiziert werden. Neben den literaturwissenschaftlichen Aufsätzen erscheinen Rezensionen von Fachliteratur, Forschungs- und Tagungsberichte sowie Verzeichnisse literaturwissenschaftlicher Dissertationen und Habilitationen an österreichischen Universitäten. |
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Sprachkunst Jahrgang LV/2024 1./2. Halbband, pp. 13-52, 2025/07/30
Beiträge zur Literaturwissenschaft
Jahrgang LV/2024 1./2. Halbband
Die Arbeit untersucht yìjìng (意境), einen zentralen Begriff der chinesischen Lyrik, als alternatives Interpretationsmodell für die deutschsprachige Natur- und Landschaftslyrik des 19. und 20. Jahrhunderts. Am Beispiel der Darstellung von Schneeflocken wird gezeigt, wie im yìjìng subjektive Empfindung und äußere Landschaft zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen. Dieser Ansatz begreift Objekte der Naturwelt nicht primär als symbolische Bildträger, sondern als ästhetische Konstellationen, in denen Wahrnehmung, emotionale Resonanz und poetische Gestaltung ineinandergreifen. Das yìjìng-Prinzip reicht bis in die kommunikative Struktur des Gedichts hi-nein und eröffnet neue hermeneutische Spielräume. Anhand ausgewählter Gedichte von Yuan Zhen, Li Bai, Lu Meipo, Xu Zhimo, Klabund, Eichendorff, Rilke, Goll und Celan zeigt die Studie, wie yìjìng neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Bildlichkeit und atmosphärische Resonanz eröffnet – und zugleich zu einer sinnlich-erfahrungsbasierten Erweiterung der abendländischen Hermeneutik beiträgt. So entsteht ein poetologischer Denkraum, der den literarischen Austausch zwischen Ost und West neu und produktiv zu gestalten vermag.