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SprachkunstBeiträge zur Literaturwissenschaft
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Mit "Sprachkunst" ist der zentrale Gegenstand benannt, um den es in den literaturwissenschaftlichen Beiträgen der Zeitschrift geht. Eine Tradition der Philologie hat sich auf verschiedene Formen künstlerischer Sprachverwendung und auf poetologische Themen konzentriert. Das heutige Selbstverständnis der Zeitschrift geht davon aus, dass sich diese Tradition auf produktive Weise mit aktuellen Paradigmen moderner Literaturwissenschaft verbinden lässt, um textorientiert den kritischen Eigensinn von Literaturen zu analysieren. Die seit 1970 halbjährlich erscheinende Zeitschrift der Österreichischen Akademie der Wissenschaften setzt sich vor allem mit deutschsprachigen und europäischen Literaturen auseinander, Beiträge können auf Deutsch, Englisch und Französisch publiziert werden. Neben den literaturwissenschaftlichen Aufsätzen erscheinen Rezensionen von Fachliteratur, Forschungs- und Tagungsberichte sowie Verzeichnisse literaturwissenschaftlicher Dissertationen und Habilitationen an österreichischen Universitäten. |
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Sprachkunst Jahrgang LV/2024 1./2. Halbband, pp. 71-92, 2025/07/30
Beiträge zur Literaturwissenschaft
Jahrgang LV/2024 1./2. Halbband
‚Schnee‘ ist eines der häufigsten Nomina des Bandes ›verschenkter Rat‹ von Ilse Aichinger. Eine syntaktische Analyse aller Vorkommen des Wortes zeigt, dass diese sich in drei Formen klassifizieren lassen: isolierte Substantive, Substantive in Kombination mit Prädikaten und mit lokalen Präpositionen. Zwei besondere Fälle werden näher untersucht: die Gedichte ›Findelkind‹ und 'Schneeleute'. In diesen wird das Wort Schnee in Verbindung mit dem phraseologisch abgewandelten Verbalpräfix „unter-“ genutzt („untermischen“ und „unterschieben“). Es wird gezeigt, inwiefern Aichinger die lebensweltliche Erfahrung, dass Schnee nicht nur durch sein massenhaftes und flächiges Auftreten Verschwinden bewirkt, sondern auch selbst verschwindet, poetologisch ausarbeitet. In Aichingers Poetik der 1970er Jahre wird Schnee emphatisch als Wort verstanden und damit von seiner ausschließlich stofflichen Bedeutung ausgehend um ein sprachliches Geschehen erweitert.