• Hans HÖLLER - Christoph LAFERL - Christoph LEITGEB - Michael RÖSSNER (Hg.)

Sprachkunst

Beiträge zur Literaturwissenschaft
Jahrgang LVI/2025 1. Halbband

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Erscheinungstermin: Januar 2026

Der thematisch offene Band enthält vier Beiträge: R. Scholz fragt, warum Goethe Faust in den Himmel kommen lässt und beleuchtet von da aus kritisch Traditionen der Faust-Forschung. H. Klapdor zeigt, wie Briefe Ausgrenzungen des Exils unterlaufen: in Erzählungen von Anna Seghers und Kathrine Kressmann Taylor werden sie zu zentralen Figuren einer „weißen“ und einer „schwarzen“ Intrige. H. Ribbe nimmt eine kurzfristige Essensgemeinschaft aus Ingeborg Bachmanns „Wüstenbuch“ in den Blick und interpretiert sie auf der Folie von Jacques Derridas Konzept der „unmöglichen Gabe“. G. Etienne schließlich erinnert an einen fast vergessenen, postapokalyptischen Roman der österreichischen Physikerin Hannelore Valencak: „Die Höhlen Noahs“ (1961). Eine Rezension und ein Nachruf schließen den Band: Besprochen wird ein „Text und Kritik“-Heft zum Lebenswerk Rainer Malkowskis; gewürdigt wird Hermann Blume, der im Juni verstorbene langjährige Redakteur dieser Zeitschrift.

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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Sprachkunst
ISSN 0038-8483
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ISSN 1727-6993
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ISBN 978-3-7001-5103-6
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ISBN 978-3-7001-5104-3
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DER TOD DES HEINRICH FAUST UND DIE FORSCHUNG

    Rüdiger Scholz

Sprachkunst Jahrgang Jahrgang LVI/2025 1. Halbband, pp. 5-30, 2025/12/05

Beiträge zur Literaturwissenschaft
Jahrgang LVI/2025 1. Halbband

doi: 10.1553/spk56_1s5

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Abstract

If we portray Goethe‘s Faust as a man of guilt and failure, it becomes difficult to explain his salvation. Goethe believed that the soul continued into eternal life due to its power and achievements in this life. Therefore, a negative assessment alone cannot be correct. The interplay between the immanent and supernatural realms, the spheres of men and women, and the dichotomy between heterosexuality (Faust) and homosexuality (Mephistopheles) demonstrate that the autonomy of the great man is limited. Faust‘s violent acts and enormous productivity are consequences of his unstable psyche.
Die dominante Wertung von Goethes Faust-Figur als scheiterndem Verbrecher hat die Erlösung zum Problem gemacht. Der übergangene Glaube Goethes an die Fortdauer der Seele durch Leistung belegt, dass man Faust durch die allein negative Wertung nicht gerecht wird. Die Dialektik von immanenten und übersinnlichen Weltbereichen, die Dialektik von Frauen- und Männerreichen, von Heterosexualität (Faust) und Homosexualität (Mephisto) belegt, dass die Autonomie des großen Mannes eingeschränkt ist. Fausts Gewalttaten wie seine enorme Produktivität sind Folgen seiner instabilen Psyche.